Arbeits- , Sozial- und Steuerrechtliche Aspekte der betrieblichen Weihnachtsfeier

In vielen Unternehmen ist der Advent traditionell die Zeit der Weihnachtsfeier. Dies ist Anlass, einige arbeits-, sozial- und steuerrechtliche Fragen zu beantworten.

1. Muss ich an der Weihnachtsfeier teilnehmen?

Antwort: NEIN

Es gibt keine Verpflichtung der Beschäftigten zur Teilnahme an der Weihnachtsfeier. Die Teilnahme an Betriebsfeiern ist gesetzlich nicht geregelt. Arbeitsverträge enthalten üblicherweise keine Klauseln zu Betriebsfeiern oä. Beschäftigte sind nur verpflichtet, ihrer Arbeitspflicht nach zu kommen. Die Teilnahme an der Weihnachtsfeier fällt nicht darunter; es gibt auch keine entsprechende arbeitsvertragliche Nebenpflicht.

2. Darf ich nach Hause gehen, wenn die Weihnachtsfeier während der Arbeitszeit statt findet?

Antwort: NEIN

Findet die Weihnachtsfeier während der Arbeitszeit statt, müssen die Beschäftigten, die nicht mitfeiern möchten, arbeiten.

3. Kann ich mir die Kosten der Weihnachtsfeier auszahlen lassen, wenn ich nicht teilnehme?

Antwort: NEIN

Die Veranstaltung der Weihnachtsfeier ist eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Daher besteht kein Anspruch darauf, die ersparten Aufwendungen ausbezahlt zu bekommen.

4. Alle feiern, ohne mein Team kann ich nicht arbeiten und es gibt auch keine andere zumutbare Arbeit, die ich erledigen könnte. Muss ich die Zeit „absitzen“?

Antwort: NEIN

Kann nicht gearbeitet werden, dürfen Beschäftigte nach Hause gehen. Der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass zumutbare Aufgaben da sind, die man auch allein erledigen kann.

5. Gibt es einen Anspruch auf Veranstaltung einer Weihnachtsfeier?

Antwort: NEIN

Der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, eine Weihnachtsfeier zu veranstalten. Ein solcher Anspruch ergibt sich auch nicht aus der arbeitgeberseitigen Fürsorgepflicht. Ein Arbeitgeber ist grundsätzlich in seiner Entscheidung frei, ob und unter welchen Voraussetzungen er seinen Arbeitnehmern eine vertraglich nicht vereinbarte Leistung freiwillig gewährt (Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 26. März 2014 – 11 Sa 845/13 –, Rn. 24, juris).

6. Hat der Betriebsrat ein Mitbestimmungsrecht?

Antwort: NEIN

Ein Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats besteht nicht.

7. „Sie nicht!“ – Habe ich einen Anspruch auf Teilnahme an der Weihnachtsfeier?

Antwort: JA

Führt der Arbeitgeber betriebliche Veranstaltungen durch und bietet er die Teilnahme den bei ihm beschäftigten Arbeitnehmern betriebsöffentlich an, so hat jeder Arbeitnehmer ein Teilnahmerecht aufgrund des allgemeinen arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatzes. Der Ausschluss eines einzelnen Arbeitnehmers von der Teilnahmeberechtigung bedarf eines sachlichen Grundes (ArbG Köln, Urteil vom 22. Juni 2017 – 8 Ca 5233/16 –, juris).

8. Kann ich mir auf der Weihnachtsfeier „alles“ leisten?

Antwort: NEIN

Alle arbeitsvertraglichen Nebenpflichten bestehen weiter. Dies gilt auch, wenn die Weihnachtsfeier außerhalb der Arbeitszeit stattfindet. Wer den Betriebsfrieden stört, Kollegen oder Chef bedroht oder beleidigt, Beschäftigte sexuell belästigt, verbal oder mit den Fäusten übergriffig wird, kann abgemahnt oder sogar (fristlos) gekündigt werden.

9. „Schnaps ist Schnaps …“ – Darf ich am Morgen nach der Weihnachtsfeier ausschlafen?

Antwort: NEIN

Der „Tag danach“ ist genauso ein Arbeitstag wie jeder andere. Auch wenn es spät geworden ist, muss ein Beschäftigter zum üblichen Arbeitsbeginn am Arbeitsplatz sein. Ausnahme: Der Arbeitgeber hat einem späteren Arbeitsbeginn zugestimmt.

10. Habe ich Anspruch auf Weihnachtsgeld?

Antwort: Das kommt darauf an.

Anspruch auf ein Weihnachtsgeld besteht, wenn dies im Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung geregelt ist. Darüber hinaus gibt es die sogenannte „betriebliche Übung“, wenn der Arbeitgeber mindestens in den vergangenen drei Jahren vorbehaltlos Weihnachtsgeld gezahlt hat. Sonst ist das Weihnachtsgeld eine freiwillige, widerrufbare Leistung des Arbeitgebers.

11. Bin ich bei einem Unfall versichert?

Antwort: JA

Bis zum offiziellen Ende einer betrieblichen Gemeinschaftsveranstaltung besteht Unfallversicherungsschutz. Ist dieser Zeitpunkt nicht bestimmt, können die Teilnehmer von der Fortdauer der Veranstaltung ausgehen, solange der Vorgesetzte anwesend ist (SG Frankfurt, Urteil vom 24. Januar 2006 – S 10 U 2623/03 –, juris). Der Unfallversicherungsschutz während einer betrieblichen Weihnachtsfeier dauert nach objektiven Kriterien nicht mehr fort, wenn zwar ein offizielles Ende nicht bestimmt war, aber bis auf den Abteilungsleiter und einen Angestellten alle Teilnehmer gegangen sind (Hessisches Landessozialgericht, Urteil vom 26. Februar 2008 – L 3 U 71/06 –, juris). Wegeunfälle von und zu Betriebsfeiern genießen den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung (OLG Frankfurt, Urteil vom 12. März 2003 – 23 U 133/02 –, juris). Die auf Alkoholgenuss zurückzuführende Fahruntüchtigkeit eines Kraftfahrers den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung aus, wenn sie die unternehmensbedingten Umstände derart in den Hintergrund drängt, dass sie als die rechtlich allein wesentliche Ursache des Unfalls anzusehen ist (Schleswig-Holsteinisches Landessozialgericht, Urteil vom 11. Januar 2001 – L 5 U 72/00 –, Rn. 24, juris).

12. Muss ich für die Weihnachtsfeier Steuern zahlen?

Antwort: Das kommt darauf an.

Soweit die Ausgaben über dem Freibetrag von 110 Euro liegen, sind sie als „geldwerter Vorteil“ vom Beschäftigten zu versteuern. Stattdessen kann ein Pauschalsteuersatz von 25 Prozent angewendet werden. Der Freibetrag gilt für zwei Betriebsveranstaltungen pro Jahr.

13. Kann ich als Arbeitgeber Kosten für eine Weihnachtsfeier steuerlich absetzen?

Antwort: JA

Kosten einer „echten Betriebsfeier“ kann der Arbeitgeber bis zu einer bestimmten Höhe als Betriebsausgaben steuerlich geltend gemacht werden, wenn er alle Beschäftigten einer Abteilung, einer Arbeitsgruppe oder die gesamte Belegschaft einlädt. Pro teilnehmenden Beschäftigten beträgt der steuerliche Freibetrag 110 Euro brutto für sämtliche Aufwendungen des Arbeitgebers. Dazu gehören Verpflegungskosten, Miete für den Veranstaltungsort, Aufwendungen für das Unterhaltungsprogramm, Service- und Fahrtkosten, Geschenke und Übernachtungen. Die Gesamtsumme der Aufwendungen wird durch die Zahl der anwesenden Beschäftigten geteilt. Ausgaben für eine Begleitung fließen in den Freibetrag des Mitarbeiters ein, der die Person mitbringt.

Bei Fragen zu dieser Thematik können Sie sich gerne an den Autor dieses Beitrags,  Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Stephan Pauly, und natürlich auch an unsere anderen Ansprechpartner im Arbeitsrecht wenden.

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